Er ist ein Opportunist
Da steht dir jemand gegenüber und sagt sinngemäß, er komme wirklich ganz gut in unserer Welt zurecht. Ja er sei ein Opportunist. Natürlich nicht im Privaten. Nur man müsse die Welt bei den Eiern packen und dieselben im Körbchen haben, bevor jemand anderes das tut.
Seit dieser Begegnung denke ich darüber nach, wie ich mit so einer Aussage umgehen soll. Bin ich so mit der äußeren Welt beschäftigt, dass mir mein Eier-Ins-Körbchen-Instinkt abhanden gekommen ist? Ich schaue aus meinen Augen hinaus und wundere, freue und ärgere mich. Ich gebe mir mehr, manchmal weniger Mühe, da draußen mehr Gründe zur Freude zu schaffen. Und in mir drin? Selbstlosigkeit kann ich ausschließen, das liegt mir nicht. Vielleicht geht es mir einfach zu gut.
Tue ich es ab, als Syndrom unserer Zeit und Gesellschaftsform? Ein Opportunist ist das Arbeitssegel jeder Gesellschaft. Er ist die immerbereite Entschuldigung, warum der Kurs so ist, wie er ist. Denn er hat den Wind im Rücken – da wo er hingehört. Kursänderungen sind willkommen, solange sie nicht zu drastisch sind und am besten hat es der Kapitän ihm zuvor schon zugeflüstert. Ändert sich der Kurs doch einmal unerwartet stark, wird er erst heftig flattern und am Ende wird er schon vorher gewusst haben, wo es hingeht.
Ärgerlich ist seine Eigenschaft, den Status Quo zu verteidigen, solange keine realistische Alternative vorhanden ist. Da kann man reden bis man heiser ist – ich habs getan! – die instinktive Verteidigung des Futtertroges ist erstaunlich gut ausgeprägt. Damit meine ich die Umstände, die ihm Erfolg versprechen. Sind seine Ellenbogen gehärtet, will er sie auch benutzen müssen. Ist er gewandt mit der Zunge, muss es auch ein paar Worte zu wenden geben.
Entpuppt sich ein Freund als Opportunist, was dann? Stelle ich alles in Frage? Ich werde die Freundschaft nicht aufkündigen. Man hat ja nicht so viele interessante, selbst-geoutete Opportunisten im Freundeskreis. Ich werde den Kapitän auswechseln, sodaß mein Freund, der Opportunist, mein Schiff nach vorn treibt.
Fragmente eines sozialen Verbrechens…
Versprechen… eine ganz hinterhältige Sache. Versprochen!
Widmen wir uns kurz den Gedanken in denen sich ein junger japanischer Germanistik Student bei der etymologischen Untersuchung des Wortes Versprechen verfangen könnte:
Versprechen… mhh könnte von Verse sprechen kommen – schaut man sich an, mit welcher Blumigkeit sicher und gerade eben wahrscheinlich ´im Lande der Dichter und Denker´ jene oftmals gegeben werden ^müssen^.
Aber auch das Verbrechen steht in einer verdächtig phonologischen Nähe zum Versprechen. Jedoch lässt sich mutmaßen, dass hier die Herkunft umgekehrt ist und erst später aus dem Versprecher im wortentwicklungstechnischen Sinne wie auch menschlichen ein Verbrecher wurde. Nicht nur Ehefrauen und Freundinnen und vice versa sondern auch deutsche Richter sind sicherlich Vielempfänger von Versprechen.
Hat hier die deutsche Sprache wiedereinmal mutterwitzig in dem Wort Versprechen versteckt, was eines der Hauptmerkmale eines V. ist, … nämlich das der Versprecher bzw. Verkünder des Versprechens sich bei der Aussprache des selbigen durchaus versprochen haben könnte? Sich also mildesten Falls verschätzt hat ob der Machbarkeit der Einhaltung oder des eigenen Willens dazu.
Ich hoffe unser japanischer Freund konnte sein Versprechen halten seine Freundin Naoko nach dem Aufsatz zum Eis einzuladen…
Hält Yamada Tarō eigentlich mehr Versprechen ein als Otto Normalverbraucher? Wie viel Versprechen werden gehalten, gebrochen? Wie viel Versprechen kann man brechen, ohne dass das schlechte Gewissen einen auffrisst? Sind gebrochene Versprechen zwischen-menschliche Verbrechen?
Ein paar Gebrochene:
- weniger Schachtelsätze in den eigenen Texten zu verwenden
- N+1 -> unendlich demnächst anzurufen o. mich zu melden
- hier jede Woche einen Eintrag abzuliefern
- Opa mein sortierte Briefmarkensammlung zu zeigen
- Immer bereit! Zu sein…
Ein paar Gehaltene:
- mich drum zu kümmern
- keine Mädchen mehr zu hauen
- nicht mehr zu klauen
- nicht mit Kreide die Wände zu versauen
Was wohl Lesers schlimmste/ schönste Verbr… ähmm Versprechen sind/ wahren?
Hello World!
Gibts einen besseren Auftritt, als ein fröhliches Hello World?
Vermutlich. Solange hinter den Kulissen noch debattiert wird, in welcher Sprache wir über welche Themen schreiben wollen, möchte ich das Publikum höflich bitten, den Raum nicht zu verlassen, keine Flaschen zu werfen, sich im Zweifelsfall eine neue an der Bar zu holen und die Gespräche fortzusetzen.
An dieser Stelle wird in Kürze Text geboten.
